Das Mehrkontenmodell

Du möchtest dir eine Immobilie kaufen, der Urlaub im kommenden Jahr ist in Planung und irgendwie willst du auch ein paar Euro als Reserve in der Hinterhand behalten. Wie du es mit dem Mehrkontenmodell trotzdem schaffst, den Überblick zu behalten und damit deine Wünsche konsequent erreichst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Was ist das Mehrkontenmodell?

Das Mehrkontenmodell beruht auf der Annahme, dass du bei nur einem Konto für deine gesamten Finanzen den Überblick über dein Geld verlierst. Du organisierst deine Finanzen stattdessen durch den Einsatz mehrerer Konten. Du ordnest deine Geldausgänge und -eingänge verschiedenen Konten zu und verhinderst, dass alle Buchungen das gleiche Konto belasten. So gewinnst du einerseits einen deutlich besseren Überblick über deine Finanzen und schaffst gleichzeitig ein System, das reibungslos funktioniert, auch wenn du nicht regelmäßig reinschaust.

Wie setze ich das Mehrkontenmodell ein?

Das Mehrkontenmodell ist zunächst mal sehr flexibel. Und lässt sich daher sehr gut auf deine individuellen Bedürfnisse anpassen. Das bedeutet aber auch, dass es nicht die eine allgemeingültige Variante gibt. Sondern du dich langsam an die für dich perfekte Lösung annähern musst. Wie das am besten funktioniert? Du schnappst dir Stift und Papier – oder irgendein digitales Tool mit dem du Notizen machen kannst – und verschwendest die nächsten Gedanken an deine finanzielle Aufstellung.

Schritt 1: Deine Basis

Der erste Schritt ist der leichteste. Du musst dich lediglich für ein Konto entscheiden, das du als zentrale Stelle deines Systems etablieren möchtest. Im Normalfall ist es das Konto, dass du deinem Arbeitgeber mitgeteilt hast und auf dem dein Gehalt eingeht. Fertig ist der erste Schritt.

Ausgangspunkt des Mehrkonten-Modells

Schritt 2: Dein Motor

Im zweiten Schritt kümmerst du dich um den Motor deines finanziellen Systems. Dieses Konto sorgt dafür, dass deine monatlichen Fixkosten sicher bedient werden. Besondere Anforderungen an das Konto gibt es nicht. Es werden monatlich die gleichen Summen eingehen wie abgehen. Du wirst dich selten in das Konto einloggen und nur gelegentlich prüfen, ob alles noch nach Plan läuft.

Wichtig ist, dass eingestellte Daueraufträge und genehmigte Lastschriften verlässlich durchgeführt werden. Wie du sicherstellst, dass deinem Motor immer genügend Geld zur Verfügung steht, zeige ich dir in diesem Artikel: Wieso du deine Ausgaben kennen sollst

Das Konto für die laufenden Fixkosten

Schritt 3: Deine Reserve

Bisher hast du jeweils ein Konto für deinen Gehaltseingang und eins für die ausgehenden Fixkosten festgelegt. Wenn du bei deinen Finanzen gut aufgestellt sein möchtest, wirst du mit Sicherheit auch einen gewissen Betrag für schwere Zeiten und überraschende Kosten zur Seite legen wollen. Das „zur Seite legen“ kannst du hier wörtlich nehmen.

Einen Artikel zur Bedeutung der Reserve findet du hier: Zum Artikel

Das dritte Konto darf also gerne bei einem anderen Anbieter als dein Gehaltskonto eingerichtet werden. Wenn du keinen weiteren Anbieter dazu nehmen möchtest, reicht aber auch ein zusätzliches Tagesgeldkonto. Wichtig ist, dass du eine strikte Trennung vornimmst, um deine Reserve nicht durch regelmäßige Kontenbewegungen durcheinander zu bringen.

Das Notfallkonto

Schritt 4: Deine Wünsche

Wenn du schon bis zu diesem Schritt gekommen bist, hast du den Großteil des Weges bereits geschafft. Eigentlich bewegst du dich jetzt bereits im optionalen Bereich des Mehrkonten-modells. Das Minimum ist mit drei verschiedenen Konten erreicht. Ein viertes Konto ist insofern zu empfehlen, dass du Geld dort „parken“ kannst, welches du für einen bestimmten Zweck in der Zukunft vorgesehen hast. Das kann ein kleinerer Wunsch sein, den du dir in wenigen Wochen oder Monaten erfüllen möchtest. Das kann aber auch ein größerer Wunsch sein, für den du eine Ansparphase von mehreren Jahren benötigst. Um dieses Geld nicht in einen Topf mit deinem Gehalt oder den Fixkosten zu werfen, bietet sich ein extra Konto (oder Unterkonto) an. So kannst du schnell nachvollziehen, wie der aktuelle Stand ist und wie viel Geld du noch benötigst, um dir deinen Wunsch zu erfüllen.

Optional: Ziele und Wünsche

Schritt 5: Dein Vermögen

Du kannst auch noch einen Schritt weiter gehen und dir ein fünftes Konto anlegen, um dein Vermögen getrennt vom Rest zu verwahren. Je nach Anlagestrategie bist du allerdings sowieso dazu gezwungen. Ein Depot z.B. wird üblicherweise mit einem dazugehörigen Referenzkonto geführt. Bei einer Investition in eine Immobilie bietet sich ein eigenes Konto natürlich auf jeden Fall an.

Optional: Das Investment-Konto

Wie viele Konten benötige ich nun?

Wie anfangs erwähnt, ist der große Vorteil des Mehrkontenmodells, dass es individuell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden kann. Du kannst entscheiden, wie viele Konten du benötigst, wie viele Anbieter du einbinden möchtest und welche Anzahl sich im Endeffekt eher nachteilig auf die Gesamtübersicht auswirkt.

Meine Empfehlung ist auf jeden Fall eine Trennung zwischen Gehaltskonto, den Fixkosten und der Reserve sicherzustellen. Am einfachsten lässt sich das darstellen, indem du dein Gehaltskonto um ein Tagesgeldkonto erweiterst. Alle klassischen Anbieter haben diese Möglichkeit in ihr Standard „Giro-Paket“ integriert. So kannst du deine Reserve auf das Tagesgeldkonto verschieben und trotzdem im Notfall in kürzester Zeit darauf zugreifen.

Für die monatlichen Fixkosten empfehle ich ein extra Konto bei einem anderen Anbieter. So ist es deutlich einfacher, die Summe der Fixkosten zu Beginn eines Monats per Dauerauftrag auf das Konto zu überweisen. Damit stellst du auf einfachem Weg sicher, dass deine Fixkosten immer gedeckt sind und du keine großen Gedanken daran verschwenden musst.

Kleiner Tipp: Wenn du dein Fixkosten-Konto zum Beispiel bei deinem Stromanbieter angibst, gehen Rückzahlungen auch auf diesem Konto ein und du baust dir automatisch eine kleine Reserve auf. Kommt dann mal eine überraschende Nachzahlung auf dich zu, musst du eventuell nicht mal mehr Geld nachschießen.

Das Extrakonto für deine Wünsche ist kein Muss, aber auch definitiv zu empfehlen. Damit trennst du einfach deine kurz-, mittel- und langfristigen Wünsche wie z.B. ein großer Urlaub von deinen anderen finanziellen Interessen und Pflichten.

Im Endeffekt ist es beim Mehrkontenmodell aber egal, ob du drei, vier, fünf oder sogar noch mehr Konten einbindest. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass du einen guten Überblick über deine finanzielle Situationen bekommst. Und das ist mit einer gewissen Trennung deutlich einfacher sicherzustellen als würdest du alles über ein einziges Konto laufen lassen.

Du hast schon angefangen, dein eigenes Kontensystem aufzubauen? Dann erzähl mir von deinem System und teile deine Erfahrungen.